The Fruit Machine (OV)
GB 1988; 103 MIN; OV; REGIE: PHILIP SAVILLE; MUSIK: HANS ZIMMER; MIT: EMILE CHARLES, TONY FORSYTH, ROBERT STEPHENS, ROBBIE COLTRANE U.A.; FSK: AB 16
»The Fruit Machine« war umgangssprachliche Bezeichnung eines kanadischen Schwulendetektors aus den 1950er Jahren, der mittels Messung veränderter Pupillengrößen in Folge von optischen Reizen, d.h. hetero- bzw. homosexueller Pornografie, feststellen sollte, ob die Versuchsperson eine ‚normale‘ oder ‚deviante‘ sexuelle Identität aufweist. Dieses heutzutage kurios anmutende Instrument brachte damals zahlreiche Kanadier um ihre Anstellung. »Fruit Machine« bezeichnet zweitens den bei uns so genannten einarmigen Banditen, der viele um Verstand und Vermögen bringt.
The Fruit Machine ist schließlich aber auch eine von der entzückenden Transe Annabelle geführte Homodisko im Liverpool der 80er Jahre. Überhaupt kennzeichnen die 80er den Film tief und unnachahmlich: weite, ausgeblichene Jeans Jacken, große Plastiksonnenbrillen, Skins in engen Hosen, hohen Stiefeln, wasserstoffblondes Haupt- oder Deckhaar, feine Löckchen wie Michael auf dem lasziven Thriller-Cover und überall leuchtet Neon, Neon, Neon. Was machen die Damen? Sie tragen ausladende Dauerwellen, paillettenbesetzte Kleider, diamantene Colliers, hinreißende Pelzstolen und Unmengen Rouge, Mascara und Kajal, das selbst unserem kühlen Killer, Echo eine betörende Eleganz verleiht. Er jagt die zwei Liebenden Eddie und Michael, weil sie ihn in flagranti beobachtet haben. Auf der Flucht, die ihre Liebe nur noch stärker werden lässt, treffen sie auf den alternden Opernsänger Vincent, den Eddie schon lange verehrt. Außerdem laufen sie Eve über den Weg, einer radikalen Tierschützerin, die der grausamen Dressur der Delphine im Aquazoo Brightons ein Ende machen will und darin von Ed bestärkt wird, da ihn nachts Visionen des Delphinmanns heimsuchen.
The Fruit Machine verflicht virtuos Genres wie Plotlines und spiegelt damit auf formaler Ebene die in der Erzählung verhandelten queeren Identitätsoptionen und Möglichkeitshorizonte. Im Handstreich und mit Leichtigkeit gelingt Saville es so, einen Resonanzraum zu erschaffen, dessen Faktur Parallelen zu den literarischen Arbeiten eines Thomas Meinecke oder Dietmar Daths aufweist, ohne dabei jemals verkniffen oder referenzhypertroph zu wirken.
Ganz besonders der von Synthesizerflächen getragene Soundtrack Hans Zimmers, die discoiden Stücke Divines und der eigens für den Film komponierte Titelsong »The Fruit Machine« aus der Feder von Stock, Aitken, Waterman machen den Film vor dem Hintergrund der heutigen Wiederkehr von Disco (siehe Bottin, Pink Stallone, Gatto Fritto, Black Meteoric Star usw.) zu einem unverzichtbaren Muss jenseits aller sexuellen Vorlieben. (jb)
➔ Spieltermine: 26. 27. Februar